Klare Worte beim Pressegespräch zum Neujahrsempfang der Heilberufe 2026: Versorgung und Kinderschutz in den sozialen Medien stärken

„Die Selbstverwaltung ist ein Grundpfeiler unserer Gesundheitsversorgung und unserer Demokratie“, betonte Dr. Jörg Böhme, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, gemeinsam mit Prof. Dr. Uwe Ebmeyer, Präsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Seit mehr als 35 Jahren ermöglicht sie den Heilberuflerinnen und Heilberuflern freies, fachlich unabhängiges und eigenverantwortliches Handeln – jenseits parteipolitischer Interessen. „Diese Unabhängigkeit ist zentral für Qualität und Vertrauen“, so Ebmeyer.
Angesichts von Demografie, Fachkräftemangel, wachsender Bürokratie und der Diskussion um Krankenhausschließungen steht das Gesundheitswesen vor großen Herausforderungen. Gerade in einem Jahr der politischen Weichenstellungen brauche es stabile Rahmenbedingungen. Gute Versorgung entsteht durch verlässliche Strukturen – nicht durch kurzfristige Impulse. Darin waren sich die Vertreterinnen und Vertreter der Heilberufe einig. Kern der ambulanten Versorgung bleibt die flächendeckende haus- und fachärztliche sowie psychotherapeutische Versorgung.
Dr. Böhme machte die angespannte Versorgungslage deutlich: In Sachsen-Anhalt sind derzeit 310 Arzt- und Psychotherapeutenstellen unbesetzt. „Die Belastungen in den Praxen summieren sich“, sagte er. Zwar investiere die KV Sachsen-Anhalt aktuell rund 11 Millionen Euro in die Nachwuchsförderung, doch ohne ein Umdenken der Bundespolitik sei die Versorgung langfristig gefährdet. „Wir brauchen echte Anreize für den ambulanten Bereich, das Ende der leistungsfeindlichen Budgetierung und einen spürbaren Bürokratieabbau.“ Allein 2022 seien Leistungen im Umfang von 75 Millionen Euro nicht vergütet worden; der Bürokratieaufwand liege inzwischen bei rund 61 Tagen pro Praxis und Jahr.
Psychische Gesundheit junger Menschen und soziale Medien– wirkungsvolle Schutzmaßnahmen jetzt ergreifen
Die OPK hat sich für 2026 den Kinderschutz in den sozialen Medien auf die Fahne geschrieben und weckte damit erhebliches Medieninteresse. Unsere Vizepräsidentin, Dr. Sabine Ahrens-Eipper, erläuterte die Hintergründe. Zahlreiche Studien zeigen, dass junge Menschen heute mit einer Vielzahl belastender Faktoren konfrontiert sind: globale Krisen, gesellschaftliche Unsicherheiten und ein beschleunigter Alltag prägen ihr Aufwachsen. Diese Entwicklungen wirken zusammen und verstärken sich gegenseitig.
Auch digitale Medien und soziale Netzwerke spielen in diesem krisenhaften Gefüge eine wichtige Rolle. „Sie eröffnen Räume für Austausch, Information und Teilhabe und bergen aber auch zahlreiche Risiken, insbesondere bei früher, intensiver und unbegleiteter Nutzung. Ein erheblicher Teil junger Menschen berichtet von belastenden Inhalten, Ausgrenzungserfahrungen oder Überforderung in sozialen Medien. Zudem zeigen aktuelle Erhebungen einen Anstieg problematischer und suchtartiger Nutzungsmuster. Betroffene Jugendliche weisen signifikant häufiger Depressions- und Angstsymptome, Schlafprobleme, erhöhten Stress sowie suizidale Gedanken auf“, erläuterte sie.

Foto: Peter Gercke
Besondere Sorge bereite der wachsende Bereich digitaler sexualisierter Gewalt. Cybergrooming und sexuelle Belästigung im Netz nehmen zu und betreffen viele Kinder und Jugendliche. „Hier besteht ein klarer Handlungsauftrag: junge Menschen müssen wirksam geschützt werden“, fordert Dr. Ahrens-Eipper.
Pressemitteilung der OPK:
Psychische Gesundheit junger Menschen und soziale Medien – wirkungsvolle Schutzmaßnahmen jetzt ergreifen
Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne dankte der Psychotherapeutenschaft ausdrücklich für ihr großes Engagement, insbesondere nach dem Anschlag in Magdeburg. Gegenüber Dr. Ahrens-Eipper betonte sie: „Die Arbeit der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Sachsen-Anhalt ist von großem Wert. Gemeinsam haben wir eine enorme Herausforderung bewältigt – auch wenn sie uns noch lange begleiten wird.“


